| Sie befinden sich hier: Home -> Events -> Rückblicke -> Das Auge hört mit | |||||||
Das Auge hört mit
|
|||||||
|
|
|||||||
|
In Amerika und England kennt man den "Quilt" als kunstvoll gestaltete Steppdecke, häufig als "Patchwork" aus vielen kleinen Stoffresten genäht. Mit diesen Techniken fertigt Irmgard Neese leuchtende Wandbilder an, die bis 1. Juni in den Räumen der Gemeinde Kassel-West zu sehen sind. Die gelernte Gemeindediakonin, die seit November 2007 in Elstal die Seniorenarbeit im Bund leitet, ist manchen in Kassel bekannt, wo sie mit ihrem Mann, Pastor Friedbert Neese, von 1979 bis 1982 tätig war. Die Leuchtkraft der Farben und die teils filigrane Führung der Nähte begeisterte die Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung am 28. Februar. "Das Auge hört mit", meinte Gemeindeleiterin Reinhild Bohlmann bei der Vernissage: "Die Farben der Sonne kommen in das Leben." Solch bunte Blickpunkte seien in den oft nüchternen freikirchlichen Räumen wünschenswert, meinte Bohlmann. Es gehe der Künstlerin darum, den christlichen Glauben in Gemeinderäumen sichtbar zu machen. Irmgard Neese erläuterte die historischen Ursprünge der Patchwork-Decken, die aus Stoffquadraten oder -dreiecken bestehen. Die kleinen Kunstwerke - meist als Bettdecken genutzt - wurden auf Vlies oder Watte und eine weitere Stofflage gesteppt, damit die Teile nicht verrutschen konnten. Diese Steppnähte sind bei Neese nicht mehr geradlinig, sondern bilden selbst Muster, zum Beispiel Kreise, Wellen oder Pflanzen, die häufig erst nach genauer Betrachtung erkennbar sind. Verblüffend ist die feine Nuancierung der Farben, etwa in einem Osterparament, das ausschließlich in Weißtönen gestaltet ist. Die Auswahl an Farben in den Stoffgeschäften war der Künstlerin mit der Zeit zu begrenzt, wie sie erklärte, so dass sie seit einiger Zeit die Stoffe selbst färbt und die subtilen Abstufungen bewusst einplant. Ein "Kirchenfenster" mit dem Thema "Psalm 23" war 2003 bei der Schau "Nadel und Faden" in Osnabrück Neeses erstes öffentlich ausgestelltes Werk. Das zeigt sie jetzt in Kassel neben dem vier Jahre später entstandenen "Sonnenfenster". Das Original-Glasfenster, das die Künstlerin in der Kindheit jede Woche im Gemeindehaus Wetter an der Ruhr bewundert hat, existiert nicht mehr. Auch bei den meisten der weiteren elf Bilder etwa bei der "Feuersäule" oder einem Parament zu Pfingsten - geht es um die Themen Licht und Glauben. Paramente sind Tücher, die an Altären und Lesepulten den Lauf des Kirchenjahres farbig begleiten: etwa lila in der Fastenzeit oder weiß an den hohen Festtagen. In den letzten Jahren hat Neese immer häufiger Paramente genäht, teilweise im Auftrag von Gemeinden. Neese zeigte Fotos von Quilts, die nicht in Kassel ausgestellt werden konnten, weil sie in Baptistengemeinden hängen, etwa an ihrem letzten Wohnort Heidelberg. Neville Williamson |
|||||||
![]() |
|||||||
| Die Künstlerin (Mitte) mit Besucherinnen | |||||||
![]() |
|||||||
| Zuschauer bewundern ein Ausstellungsstück | |||||||