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Samuel Beckett und seine Beziehungen zu Kassel
Vortrag von Wolfgang Rudolph


Die Samuel-Beckett-Anlage befindet sich in unmittelbarer Nähe unseres Gemeindehauses. So lag es in unserem Interesse, von kompetenter Seite Näheres über den Namensgeber zu erfahren. Am 7. Februar referierte Wolfgang Rudolph, Geschäftsführer der Samuel-Beckett-Gesellschaft Kassel, in unseren Gemeinderäumen interessant und gekonnt zu diesem Thema. Samuel Beckett (1906-1989) war Autor, Schriftsteller und Nobelpreisträger. Seinen Namen bringen wir sofort mit dem bekannten Theaterstück "Warten auf Godot" in Verbindung. Er war ein musisch vielseitig begabter Mann. Theaterstücke, Romane, Filme und Kunst gehörten zu seinen Betätigungsfeldern. Dass er, gebürtiger Ire, dessen Wahlheimat aber Frankreich war, in den Jahren 1928 bis 1932 häufig in Kassel weilte, hat mit der Liebe zu tun. Ruth Margaret Sinclair, genannt Peggy, die eigentlich seine Cousine war, zog ihn immer wieder an. 1922 wanderte die jüdische Familie Sinclair von Irland nach Kassel aus. Vater Sinclair war Kunsthändler und versprach sich durch den Kauf von Bildern ein gutes Geschäft für seine Existenz. Die erste Wohnung von Samuel Beckett befand sich in der Landgrafenstraße, heute Bodelschwinghstraße Nr. 5. Es folgten noch Spohr- und Lutherstraße als spätere Wohnsitze. 1933 zog die Familie Sinclair nach gescheiterten Geschäften und der persönlichen Bedrohung durch das so genannte Dritte Reich wieder nach Dublin zurück.

In den Jahren 1928 bis 1932 gab es viele Begegnungen zwischen Peggy und Samuel in Lokalitäten und anderen Orten wie Theater, Karlsaue, Wilhelmsthal, Wochenmarkt oder auch dem Vorderen Westen Kassels. Samuel Beckett lernte deutsche Lebensart und Kultur kennen. Er schrieb über diese Jahre einen Roman. "Dream" spiegelt seine Erlebnisse in Kassel wider. Die Beziehung zu Peggy bröckelte allerdings im Laufe der Zeit und wandelte sich in eine Art Freundschaft. 1933 starb Peggy an Lungentuberkulose in Bad Wildungen.

Samuel Beckett war ein Sprachgenie und hatte zahlreiche Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten. Dazu gehörte auch Hans-Joachim Ringelnatz. 2005 wurde die einzige Samuel-Beckett-Gesellschaft Deutschlands in Kassel ins Leben gerufen. Ursprünglich sollte nur eine Straße in Kassel nach ihm benannt werden, aber man beschloss, eine ganze Anlage seinem Gedächtnis zu weihen. Am Haus der Bodelschwinghstraße 5 hängt eine Gedenkplatte zur Erinnerung an den Aufenthalt Becketts in Kassel.

Christa Jäger

Wolfgang Rudolph
Wolfgang Rudolph trägt vor.