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Wladimir Ryagusov besuchte Kassel-West
Zeit der Religonsfreiheit währte in Russland nur kurz


In Russland sind die Menschen nördlich des Polarkreises offen für den christlichen Glauben. Das berichtete der Vorsitzende der Russischen Evangelischen Allianz, der Baptistenpastor Dr. Wladimir Ryagusov (Moskau), bei einem Besuch in Kassel. Allerdings seien unter ihnen auch Geisterglaube und Okkultismus weit verbreitet. Vor allem Baptisten seien in der Region missionarisch aktiv, sagte Ryagusov in zwei Gottesdiensten in der Gemeinde Kassel-West und Kassel-Möncheberg. Die Baptisten in Russland hätten das Ziel, jedes Jahr etwa 100 neue Gemeinden zu gründen. Zurzeit gibt es in dem Land rund 1 300 Baptistengemeinden und über 600 Missionsstationen mit insgesamt

78 000 Mitgliedern. Sorgen bereitet Ryagusov das 1997 erlassene Religionsgesetz, das der russisch-orthodoxen Kirche eine staatstragende Rolle zubilligt, während vor allem protestantische Kirchen diskriminiert würden. "Die Zeit grenzenloser Religionsfreiheit war nur kurz", meinte Ryagusov vor den etwa 200 Teilnehmern der beiden Gottesdienste. Die russisch-orthodoxe Kirche nutze ihre Vormachtstellung, um unliebsame Konkurrenz zu unterdrücken. Zahlreiche Baptisten hätten inzwischen diesem Druck nachgegeben und seien nach Nordamerika ausgewandert. Die Zahl der dort lebenden russischsprachigen Baptisten überstiege inzwischen die der in Russland lebenden deutlich.

Ryagusov, der nach einem Studium am Theologischen Seminar in Hamburg (heute Elstal) zehn Jahre lang für das theologische Fernstudium seiner Kirche zuständig war, hält sich bis Ende Januar 2008 zu einem Sabbatjahr in Deutschland auf. Er arbeitet an einem Lehrbuch für Predigtlehre. Er hofft, es bald in Russland veröffentlichen zu können. "Wir brauchen dringend eigenständige theologische Literatur, um nicht zu stark von Übersetzungen aus dem Amerikanischen abhängig zu sein", meinte der Theologe. In seinen Predigten warb er um mehr Vertrauen in Gott. Man könne sich freuen, auch wenn man in schwierigen Umständen leben müsse, wie dies bei vielen russischen Christen der Fall sei. Ein Grund zur Freude sei aber auch die von russischen und deutschen Christen herbeigebetete Öffnung des Eisernen Vorhangs gewesen.

Frank Fornaçon

Wladimir Ryagusov bei der Predigt
Wladimir Ryagusov bei der Predigt
Eheleute Ryagusov musizieren
Die Eheleute Ryagusov musizieren