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Ringen mit der Mühsal des Lebens
Ökumenische Bibelwoche


Die Ökumenische Bibelwoche 2006 hat es den Teilnehmern nicht leicht gemacht: Die Mühsal des Lebens kann Menschen müde machen. Auch fromme Leute sind nicht dagegen gefeit. In Zeiten äußeren Leides oder innerer Verzweiflung stöhnt man: Am liebsten wäre ich gar nicht mehr da! In der Bibelwoche zeigte sich das Wort Gottes von dieser menschlichen Seite. Im Buch Kohelet ringt ein Weiser Israels mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn es so viel Mühe und Leid gibt, wozu soll man dann leben? Ist nicht alles eitel oder vergänglich? Die Übertragung der biblischen Gedanken ins heutige Leben war nicht einfach. Denn einfache Antworten verbieten sich angesichts unüberwindlicher Sorgen.

Abend für Abend wurde zunächst von einem der Pfarrer der beteiligten Gemeinden in den Text eingeführt. Pfarrer Kircher von St. Maria, die Pfarrer Goldschmidt und Meissner von der Friedenskirche und Pastor Fornaçon von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde. Im Mittelpunkt stand dann ein Gruppengespräch mit persönlichen Erfahrungen, das in immer neuer Zusammensetzung lebhafte Gespräche ermöglichte. Die Hinfälligkeit des Lebens, die im Buch Kohelet zutage tritt, macht die Frage nach dem ewigen Leben umso dringlicher. Der Mensch sollte sich nicht nur auf das Diesseits konzentrieren, sondern Gott im Blick haben. Ihm kann man am ehesten durch die Lust am Leben entsprechen, an der Freude am geschenkten Glück.

Aber Glaubende sind immer auch zur Gestaltung der Welt aufgefordert. Eindringlich wurde das deutlich am Abend zum Thema Gerechtigkeit im Arbeitsleben. Arbeit gehört zum Menschen, aber glücklich wird man nicht durch emsiges Schaffen. Auch jene, die keine Arbeit haben oder nicht erwerbstätig sein können, sind von Gott beschenkt. Am letzten Abend schloss die Bibelwoche mit einer originellen Meditation: Eine goldene Schale, wie sie in Kohelet 12 als Symbol des Lebens beschrieben wird, stand in der Mitte des Raumes. Die Teilnehmer konnten eine Kerze hineinstellen, ein grünes Blatt hineinlegen oder einen Stein. Der eine entzündete eine Kerze der Hoffnung, ein anderer erinnerte an den Kreislauf des Lebens, der im Blatt symbolisiert wurde. Wieder andere legten mit den Steinen ihre Sorgen ab.

Insgesamt waren an den Abenden etwa 70 Teilnehmer dabei, im Durchschnitt 40 pro Abend. Viele kannten sich von früheren Begegnungen und so war rasch eine vertraute Atmosphäre entstanden, die offene Gespräche ermöglichte. Konfessionelle Besonderheiten fielen kaum ins Gewicht. Im Lesen des Wortes Gottes sind Protestanten und Katholiken, Freikirchler und Landeskirchler gleichermaßen Hörer. Dass der Teilnehmerkreis vor allem aus älteren Gemeindemitgliedern bestand, stimmt etwas nachdenklich. Ist die Ökumene inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden? Sie wird es nur bleiben, wenn auch die nächsten Generationen über die Grenzen ihrer Kirche hinaus Augen und Ohren offen halten.

Frank Fornaçon