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Vater, vergib ihnen ...


Meditativer Passionsgottesdienst am Karfreitag

Den Abendmahlstisch im Gemeinderaum bedeckt ein bis auf den Boden reichendes, dunkles Tuch. Darauf liegt, etwas angehoben, das schwere, altrauhe Eichenkreuz vom Kreuzweg der Jugend, das einige Tage zuvor durch unseren Stadtteil getragen wurde. Vor dem Kreuz auf dem Tisch ein weißes Tuch mit einem langen, rostigen Nagel. Links eine Tonschale mit Essig und einem vollgesogenen Schwamm, dahinter eine Krone aus Dornengestrüpp.

Diese Gegenstände markieren die einzelnen Stationen, die die Besucher eingeladen waren mitzugehen: Dornenkrone, Nagel, Essig und Kreuz. Der Essigteller mit Schwamm wandert durch die Reihen, jeder darf mal schmecken und riechen. Dazu singt die Gemeinde Lieder aus <Feiern & Loben> und hört die von Reinhild Bohlmann vorgetragenen meditative Texte, die die Spuren der Leidensgeschichte Jesu in unserem Leben nachzuzeichnen versuchen:

"Jesus kennt offene Wunden - auch die offenen Wunden unserer Seele." - "Jesus wurde festgenagelt - aber er nagelt niemanden fest. Er betete: 'Vater, vergib ihnen ...'" - "Wie oft haben wir unseren Durst nach Leben ohne Erfolg mit Essig gestillt? Jesus trinkt den Essig - damit mein Lebensdurst nun endlich gestillt werden kann." - "Es lohnt sich, auf das Kreuz zu schauen, die Welt bekommt dadurch ein anderes Gesicht."

Unübersehbar ist das Meer der Kreuze auf dieser Welt, unter diesem Thema benennen Mechthild und Neville Williamson die unterschiedlichen "Kreuze" in der Welt: zerbrochene Beziehungen, die Saat der Gewalt, Kampf um Macht und Geld, die gequälte Kreatur und Natur. Wir werden aufgefordert, diese Kreuze unter das Kreuz Jesu zu tragen, der nicht am Kreuz geblieben ist und uns - auch in diesen Fragen - mit ausgebreiteten Armen empfängt.

Zum Schluss stellen dann Christa und Herbert Jäger einen siebenarmigen Leuchter vor das Kreuz und zünden zu sieben Fürbittegebeten die Kerzen nacheinander an. Wir lernen, unsere Kreuze in seinem Licht zu sehen: "Du, Herr trägst unsere Kreuze, und wir sind frei!"

Ostergottesdienst am Ostersonntag

Ein kalter Ostermorgen. Draußen ist es frisch, drei Grad Celsius. Die Gegenstände vom Karfreitag, Kreuz, Nagel, Essig sind verschwunden, ein oranges Tuch schmückt den Tisch vorne. Nur die Dornenkrone liegt noch da, ist aber schon von immergrünem Efeu durchwirkt.

Der Osterpredigt (von Reinhild Bohlmann gehalten) liegt Markus 16, 1-8 zugrunde. Dieser erste Bericht über die Auferstehung Jesu atmet noch die Angst und das Entsetzen, das die Frauen erfasste, als sie Zeugen der Auferstehung Jesu wurden, aber nichts begriffen. Ihr größtes Problem vorher: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Aber Gott hat schon für sie gesorgt. So geht es auch uns oft im Leben. Gott zerbricht die Steine, die uns vom Leben trennen. Auch wir sind noch nicht am Ziel. So wie die Frauen, sind wir auch noch blind, vom Tod gefangengenommen. Aber wir können nach der Auferstehung Jesu uns die Augen reiben und dem Tod ins Auge schauen, neu sehen, neu hören ...

Bevor die Predigt weitergeht, werden nun die Dornen zusätzlich zum Efeu mit Rosen bestückt und eine prächtige Osterschale (mit Eiern darin) auf den Abendmahltisch gesetzt. "Der Herr ist auferstanden!" Gott rollt die Steine und Felsen beiseite, diese wunderbaren Taten Gottes können wir weitersagen.

Ein warmer Ostermorgen. Die Lieder, die Gebete, die Botschaft und die Gemeinschaft machen das Herz warm, die Augen blank. Keine Angst vor den Steinen! Jesus lebt!

Hinrich Schmidt

Symbole des Leidenswegs Christi