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Die Gemeinde Kassel-West:

Die Gemeinde Kassel-West entwickelte sich 1966 aus einer Kinderwochenstunde, der sich Gesprächskreise mit Eltern und dann andere Formen der Gemeindearbeit anschlossen. Sie wurde 1979 selbständige Gemeinde und hat derzeit (2006) 128 eingetragene Mitglieder, dazu einen festen Kreis von Freunden.
Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter (auch aus dem Freundeskreis) arbeiten mit dem Pastor in den verschiedenen Aufgabenbereichen unserer Gemeinde zusammen. Wir sind überzeugt, dass das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus unterschiedliche Ausdrucksformen findet, und möchten es jedem ermöglichen, sich nach seinen Begabungen am Gemeindeleben zu beteiligen. Auch in den Gottesdiensten wirken die Einzelnen je nach ihren Gaben aktiv mit.


Wer wir sind:

Wir sind evangelisch und fühlen uns mit allen Christen verbunden, die das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zum Ausdruck bringen. Grundlage unseres Glaubens und Lebens ist die Heilige Schrift.

Wir sind freikirchliche Christen und bekennen uns zur bewussten persönlichen Entscheidung in der Frage der Kirchenmitgliedschaft. Mitglied einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde wird, wer sich nach dem Vorbild der ersten Christen öffentlich zu Jesus Christus bekennt und sich auf seinen Namen taufen lässt. Diese Taufpraxis führte zu der weltweit bekannteren Bezeichnung "Baptisten". Wir legen Wert auf die Trennung von Kirche und Staat und erheben deshalb keine Kirchensteuer. Mitglieder und Freunde der Gemeinde finanzieren durch ihre freiwilligen Beiträge und Spenden alle Gemeindeaufgaben.

Wir sind Gemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, einem Zusammenschluss von Gemeinden, mit insgesamt etwa 88.000 Mitgliedern in der Bundesrepublik. Im Rahmen dieses Gemeindebundes sind wir an überregionalen missionarischen und sozial-diakonischen Aufgaben beteiligt.
Mit ihren mehr als 35 Millionen Mitgliedern in 125 Ländern der Erde gehören die Baptisten zu den großen protestantischen Kirchen.
In Deutschland beginnt die Geschichte der Baptistengemeinden im Jahre 1834, ihre historischen Wurzeln gehen jedoch bis zu den Täufergemeinden der Reformationszeit zurück.
Anlässlich des Zusammenschlusses mit anderen freikirchlichen Gruppen in Deutschland haben die Baptistengemeinden 1941 ihren Namen offiziell abgelegt; der Name "Baptisten" lebt aber international fort. Als Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden sind wir Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Auf regionaler Ebene besteht eine Gastmitgliedschaft im Rat Christlicher Kirchen in Nordhessen. Mitglieder und Freunde der Gemeinde arbeiten in der örtlichen Evangelischen Allianz mit.


Auf ein Wort

Gott anbeten mit Gefühl und Verstand
"Ich will nicht nur im Geist beten, sondern auch mit dem Verstand"

1. Korinther 14,15

In den Vatikanischen Gärten in Rom wird in den nächsten Wochen ein Denkmal für Galileo Galilei errichtet. Der italienische Astronom und Philosoph hatte zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit einem Teleskop den Nachweis geführt, dass die Erde nicht der Nabel der Welt ist. Sie kreist um die Sonne. Den katholischen Theologen ging das zu weit. Sie zwangen den Gelehrten unter Androhung des Scheiterhaufens zum Widerruf. "Was nicht sein darf, das nicht sein kann", war ihr Motto. Fast vierhundert Jahre später brauchte ein weiterer theologischer Ausschuss 18 Jahre, um das damalige Urteil als falsch zu bezeichnen. Nun darf sich auch für Katholiken die Erde um die Sonne bewegen. Der Geist Gottes, verfestigt in den Strukturen der Kirche, musste dem Verstand weichen.

Galileo war auch mit an Bord, wenn ich in meiner Zeit als Pastor in Berlin zu Treffen des Landesverbandes fuhr. Damals begleitete mich regelmäßig ein leitender Bruder einer Brüdergemeinde, hochbetagt und längst im Ruhestand. Der Naturwissenschaftler hatte oft dasselbe Thema: den Unsinn des Kreationismus. Er hatte sein Leben lang als Paläontologe gearbeitet. Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit versteinerten Lebewesen. Und er hat sein Leben lang in Brüdergemeinden die Bibel ausgelegt. Zwischen beiden Welten gab es für ihn keinen Widerspruch. Darum konnte er jene Hitzköpfe nicht begreifen, die meinten, die Welt müsse in sechsmal 24 Stunden erschaffen worden und höchstens 6 000 Jahre alt sein.

Verstand und Vernunft wurden seit der Aufklärung immer wieder als Waffen des Atheismus gebraucht. Ihnen gegenüber wurde von frommen Christen das religiöse Gefühl ins Feld geführt. Es käme nicht auf den Verstand an, sondern allein auf das Gefühl. Und für das Gefühl sind seit je die Mystiker zuständig. Jene Menschen, die mit Hilfe von inneren Bildern oder außerordentlicher Gefühlszustände unmittelbar mit Gott zusammensein können. Es kam zu einem merkwürdigen Gegensatz: Wer nüchtern auf seinen Verstand setzte, geriet in Verdacht, nicht richtig gläubig zu sein. Wer dagegen auf seine religiöse Empfindung vertraute, dem wurde besondere Geistlichkeit zugebilligt.

Schon Paulus kannte diese Diskussion: Im Korintherbrief setzt er sich mit Gruppen auseinander, die ekstatische Gottesdienste feierten und Prophetie und Zungenrede als unmittelbare Äußerungen des Heiligen Geistes ansahen. Je unverständlicher, umso geistlicher war ihre Devise. Der Apostel, der solche geistlichen Gefühlsausbrüche kennt und schätzt, muss warnend dazwischenfahren: Auch der Verstand ist ein Instrument des Heiligen Geistes. Sowohl spontane Geistesgegenwart als auch nüchterne Vernunft sind Ausdrucksformen des Glaubens.

Der Verstand hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Wer vernünftig redet, der kann von anderen verstanden werden. Das ist ein zentrales Anliegen des Heiligen Geistes: Dass Menschen die Liebe Gottes verstehen und sich Gott anvertrauen. Was mit Hilfe des Verstandes ergründet und gesagt wird, das unterliegt gleichzeitig der Kontrolle. Christen können sich so auseinander setzen. Denken und Verstehen bieten die Chance, die Erkenntnis zu prüfen.

Niemand muss seinen Verstand auf dem Altar des Glaubens opfern. Gott anbeten kann man mit Gefühl und Verstand, mit Kopf und Herz. Darum bemühen wir uns in der Gemeinde. Den Glauben nüchtern und denkend zu durchdringen und gleichzeitig mit unseren inneren Empfindungen Gott zu loben.

Frank Fornaçon

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